Reihenhäuser der Siedlung Westhausen in Praunheim
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Frankfurt-Praunheim – spannende Orte, Siedlungen und Geschichten

Der Stadtteil Praunheim gehört seit dem 1. April 1910 zu Frankfurt am Main und grenzt an die Stadtteile Rödelheim, Hausen, Ginnheim, Heddernheim und Niederursel. 

Ihr möchtet mehr als die reinen Fakten erfahren? Begleitet mich in diesem Blogpost, wie ich interessante Orte und Geschichte des Stadtteils Praunheim entdecke! 

Nicht viel los auf der Hundewiese

Natur, frische Luft und weite Flächen für ausgedehnte Spaziergänge: Der Volkspark Niddatal (kurz Niddapark) wird von FrankfurterInnen gerne für eine Auszeit im Grünen genutzt. Auf dem Weg zu meiner ersten Station in Praunheim kam ich an der Hundewiese im Niddapark vorbei, auf der meist viele Hunde herumtollen. Wie ihr sehen könnt, war an diesem Vormittag noch nicht viel los. 

Leere Hundewiese

Der Niddapark, der auch BUGA-Gelände genannt wird, ist das Ergebnis der Bundesgartenschau von 1989 in Frankfurt. Bereits 20 Jahre zuvor hatte sich die Stadt Frankfurt für eine Bundesgartenschau beworben. Die Bewerbung wurde jedoch aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Eines der geplanten Projekte wurde trotzdem umgesetzt – die nächste Station auf meiner Tour:

Die Künstlerkolonie „An den Pflanzländern“ in Praunheim

 „An den Pflanzländern“ ist eine ruhig gelegene Straße am Rand des Niddaparks. Dort sind 10 Grundstücke, auf denen von 1964 bis 1967 Atelierhäuser für KünstlerInnen gebaut wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Frankfurt ein großer Wohnraummangel, viele Gebäude waren zerstört. Auch KünstlerInnen waren vom Wohnraummangel betroffen und das Projekt einer Künstlerkolonie „An den Pflanzländern“ sollte zur Unterstützung dienen. Zur Förderung wurde der Verein Frankfurter Künstlerkolonie e.V. 1959 von der Frankfurter Bildhauerin Cläre Bechtel und KollegInnen gegründet.

Künstlerkolonie an den Pflanzländern

Ein Abstecher nach Alt-Praunheim

Über die Praunheimer Brücke ging es für mich nach Alt-Praunheim. Meine erste Station dort war die ehemalige Produktionswerkstatt der Praunheimer-Werkstätten. Das denkmalgeschützte Gebäude direkt an der Nidda wird seit 2015 unter dem Namen ap2 als Unterkunft für Geflüchtete genutzt. Mittlerweile gibt es im Gebäudekomplex außerdem Atelierwohnungen für KünstlerInnen. Der Jugendclub Praunheim ist ebenfalls eingezogen. So ist ein Ort der Begegnung und der Kultur entstanden.

Bunte Weihnachtsbilder an Fenstern des ap2 in Praunheim

Die neue Werkstatt der Praunheimer-Werkstätten liegt in der Christa-Maar-Straße in der Nähe der Haltestelle Heerstraße. Außerhalb von Praunheim gibt es in Frankfurt noch weitere Werkstätten in Fechenheim und Höchst

Auch über die Grenzen Frankfurts hinaus sind die Praunheimer-Werkstätten bekannt. Dort wird Spielzeug aus Holz produziert, Kunst gefertigt und es werden andere Dienstleistungen angeboten. Die gemeinnützige GmbH bietet neben Arbeitsplätzen auch Wohnangebote für Menschen mit Behinderung, Teilhabeassistenz und Beratung. Mehr dazu findet ihr auf der Website der Praunheimer Werkstätten.

Die Zehntscheune in Praunheim

Mein nächstes Ziel, die Zehntscheune und der Junkerhof, lagen nur wenige Schritte entfernt von der ehemaligen Produktionswerkstatt der Praunheimer-Werkstätten. Seit den 1990er Jahren wird die historische Zehntscheune vom Bürgerverein als Veranstaltungsort genutzt.

Zehntscheune Praunheim

Wie ihr Name schon erahnen lässt, mussten Bauern dort ein Zehntel ihres Ertrags abgeben. Als die Naturalienabgabe durch Steuern in Form von Geld abgelöst wurden, wurde die Zehntscheune auf verschiedene Weisen genutzt: Gotteshaus, Leichenhalle, Gefängnis und Feuerwehr-Depot sind nur ein paar davon. Die ausführliche Geschichte der Zehntscheune und alles zu den hoffentlich bald wieder stattfindenden Veranstaltungen könnt ihr hier nachlesen: https://www.bv-praunheim.de

Auferstehungskirche

Direkt neben der Zehnscheune liegt die Auferstehungskirche, die von 1771 bis 1772 erbaut wurde. Architektonisch wird die evangelische Kirche als barocke Saalkirche beschrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch Luftangriffe zerstört und 1949 wieder aufgebaut.

Kirchturm der Auferstehungskirche Praunheim

Außerdem in Alt-Praunheim

Neben dem ehemaligen Gebäude der Praunheimer-Werkstätten, der Zehntscheune und der Auferstehungskirche befinden sich noch einige schöne Häuser in Alt-Praunheim bzw. an der Straße Alt-Praunheim:

  • Das Vespa-Museum von Renate Gräfe in einer ehemaligen umgebauten Kegelbahn, das, wenn möglich, jeden 3. Dienstag des Monats von 10 bis 16 Uhr geöffnet hat.
  • Das besondere rote Haus mit Eidechsen-Details und einem sehr bewachsenen Dach, das an die Haarpracht einiger Mitmenschen zu Zeiten der geschlossenen Friseurläden erinnern könnte… 😋
  • Und weitere kleine Fachwerkhäuser, für die sich ein kurzer Abstecher weg von der Nidda lohnt.
Alt-Praunheim rotes Haus mit Eidechsendetails

Auf den Spuren eines Praunheimer Künstlers

Weiter ging meine Tour in Richtung Siedlung Praunheim. Dabei kam ich am früheren Wohnhaus des Praunheimer Künstlers Willi Petri vorbei. Anlässlich seines 100. Geburtstags hatte es 2016 eine Ausstellung seiner Bilder in der Zehntscheune gegeben. Aufmerksame NiddaspaziergängerInnen haben bestimmt auch schon den nach ihm benannten Willi-Petri-Steg entdeckt, der bei Praunheim über die Nidda führt

Ehemaliges Wohnheim von Willi Petri in Praunheim

Durch die Siedlung Praunheim – zwischen Nidda und Heerstraße

Mit der Errichtung der Siedlung Praunheim von 1926 bis 1929 entstanden in Praunheim um die 1500 neue Wohnungen im Bauhausstil. Eine wichtige Grünfläche der Siedlung befindet sich am Altarm der Nidda: Die Adlerwiese hinter dem Restaurant „Zum Neuen Adler“. Wenn im Winter Schnee liegt, verwandelt sie sich in einen kleinen Rodelhang.

Bunte Häuser in der Siedlung Praunheim

Zum Neuen Adler – ein Gebäude mit Geschichte

Im 1. Stock des Gebäudes befand sich ab 1927 die Verteilerstation des Siedlungsfunks. Von dort aus führten Bleikabel in alle Keller der Siedlung, wer einen monatlichen Beitrag von 1,25 Reichsmark bezahlte, konnte das Radioprogramm verfolgen. Zudem diente das Gebäude oft als Versammlungsort, da andere räumliche Möglichkeiten fehlten.

Zum Neuen Adler Praunheim

Luftschutzbunker in der Eberstadtstraße

Am Rand der Siedlung in der Eberstadtstraße 35 steht eine unübersehbares Gebäude: der 1941/42 errichtete Luftschutzbunker. Noch heute ist der Nazi-Reichsadler an der Fassade zu sehen. Aktuell gibt es Diskussionen um ein Projekt zum Thema Wohnen im Bunker. Ob dies bald umgesetzt wird, wird sich zeigen.

Luftschutzbunker Eberstadtstraße Praunheim
Bunker Eberstadtstraße mit Reichsadler

Weiter ging es für mich zur Haltestelle Heerstraße, der Endstation der U7. Sie ist recht unspektakulär und man merkt deutlich, dass man fast am Frankfurter Stadtrand angekommen ist.

Haltestelle Heerstraße in Praunheim

Richtig interessant wird es wieder ein paar Schritte weiter in der nächsten Siedlung des Stadtteils Praunheim.

5 Fakten zur Praunheimer Bauhaussiedlung Westhausen

  1. Die Siedlung Westhausen befindet sich im Stadtteil Praunheim, auch wenn ich sie aufgrund des Namens eher dem Stadtteil Hausen zugeordnet hätte.
  2. Die Bauhaussiedlung wurde in den 1920er-Jahren vom Baudezernenten Ernst May geplant.
  3. In der Siedlung gibt es Laubenganghäuser und zweigeschossige Reihenhäuser.
  4. 1931 bei Fertigstellung gab es 1116 Mietwohnungen. Alle Wohnungen waren mit einer Frankfurter Küche, der ersten Einbauküche der Welt, ausgestattet.
  5. Ein Teil der Straßen wurde zunächst nur mit Buchstaben von A bis D benannt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erhielten die Straßen Namen von Akteuren oder Schauplätzen der deutschen Kolonialherrschaft. BewohnerInnen setzten sich nach dem Krieg dafür ein, die Straßen nach lokalen Widerstandskämpfern und Verfolgten des Nationalsozialismus zu benennen. Die Straßen der Siedlung Westhausen heißen jetzt beispielsweise: Stephan-Heise-Straße, Johanna Kirchner-Straße oder Geschwister Scholl-Straße.
Siedlung Westhausen in Praunheim
Laubenganghäuser in der Siedlung Westhausen in Praunheim
Laubenganghäuser in der Siedlung Westhausen in Praunheim
Reihenhäuser der Siedlung Westhausen in Praunheim

Friedhof Westhausen

Der Friedhof Westhausen zählt zu den größten Friedhöfen Frankfurts und ist mit der U7 Haltestelle Friedhof Westhausen zu erreichen. Aus diesen zwei Gründen habe ich ihn auf meiner Tour durch Praunheim besucht:

  1. Die Trauerhalle: Die Rückseite der Trauerhalle im Stil des Brutalismus ist mit dem Begriff „Stahlbetonfaltwerk“ zu beschreiben. Das Gebäude wurde vom Frankfurter Architekten Günther Bock geplant, der auch das Bürgerhaus in Sindlingen entworfen hat.
  2. Der Ehrenfriedhof für italienische Kriegsopfer (Cimitero di Guerra Italiano): Der Ehrenfriedhof für italienische Kriegsopfer in Praunheim ist einer von vier in Deutschland (die anderen befinden sich in Berlin, Hamburg und München). Eine Infotafel am Anfang des weitläufigen Feldes mit 4.680 Grabstellen (Stand 2012) erklärt, welche Menschen hier begraben wurden: Sie gehörten in der Mehrzahl „dem Militär oder polizeilichen Einheiten an. Vier galten als Partisanen.“ Weiter unten heißt es: „730 Verstorbene waren zivile Italiener, die als „Gast“-bzw. ab 1943 als Zwangsarbeiter in Deutschland mit ihren Familien lebten.“
Rückseite der Trauerhalle auf dem Friedhof Westhausen
Eingang zum Cimitero Di Guerra Italiano

Und das verbindet ihr mit Praunheim:

Als ich euch bei Instagram gefragt habe, was ihr mit Praunheim verbindet, kamen diese Antworten:

  • Ich denke an die Praunheimer Werkstätten und geht es da nicht auch zum alten BuGa-Gelände?
  • Mein Weg zur Arbeit
  • Das Albino-Nutria
  • Heimat
  • Die alte römische Straße
  • Ebelfeld Grundschule
  • Die Menschen sind sehr freundlich
  • Nutrias, Nidda, Ernst May, kurz vor Nordweststadt

Womit verbindet ihr den Frankfurter Stadtteil Praunheim? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Jedem Stadtteil wird vor meinem Besuch eine zufällige Frage zugeteilt. Während meiner Tour durch den Stadtteil suche ich eine Antwort. Die Antwort halte ich in einem Bild fest:

#FragDenStadtteil Frankfurt-Praunheim: Was ist wertvoll?

Bäume auf der Adlerwiese an einem Altarm der Nidda

3 Comments

  • Hildegard Mtahni

    Wir wohnen seit 2015 hier und fühlen uns sehr wohl. Bin gebürtige Frankfurterin, aber im Westend aufgewachsen und dann in Ginnhrim gewohnt. Nach über 21 Jahren im Ausland glücklich wieder zurück. War davor 1x mit dem Fahrrad durch die Buga in Praunheim. Das Nordwestzentrum kannten wir natürlich – unser Sohn hat hier die Kita besucht. Es war eine sehr schöne Zeit.

  • Marion

    Wieder ein sehr interessanter Blogpost mit soviel Neuigkeiten über meine Heimatstadt! Vielen Dank dafür. Ganz besonders toll finde ich die
    Antwort (das Bild von dem alten Baum) auf Deine Frage. Das könnte nicht besser beantwortet werden.
    Ich freue mich schon auf den Besuch des nächsten Stadtteils.

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